Motorcycling: Cars
Overview
- Ausgewählte Begegnungen mit Autofahrern
-
[Weimar]
[Schattenring, Stuttgart]
[Feldberg #1]
[Feldberg #2]
[Vaihingen, Ortseinfahrt]
[Vaihingen, Campus #1]
[Kempten]
[Vaihingen, Ortsmitte #1]
[A8 kurz vor Stuttgart #1]
[A8 kurz vor Stuttgart #2]
[Feuersee, Stuttgart]
[Saint Tropez]
[Genua]
[Corsica]
[Lac de Madine]
[Vaihingen, Ortsmitte #2]
[Donautal]
[Bonifacio]
[Stuttgart #1]
[Stuttgart #2]
[Stuttgart #3]
[Frankreich]
[Vaihingen, Campus #2]
[Vaihingen, Ortsmitte #3]
[Südfrankreich]
[Rimini]
[Stuttgart #4]
[Vaihingen, Ortsmitte #4]
[Stuttgart #5]
[Vaihingen, Ortsmitte #5]
[Stuttgart-Heslach]
Ausgewählte Begegnungen mit Autofahrern
Der nachfolgende Text ist (wie schon der vorhergehende)
betont subjektiv gehalten. Ich habe mir ein paar Sachen von der Seele
geschrieben!
Die Anordnung ist nicht chronologisch geordnet.
Weimar
irgendwo bei Weimar, Autobahn
zwei Fahrbahnen werden zusammengeführt zu einer einzigen
vor mir ein Lastwagen
Ich habe nicht mehr vor zu überholen;
der Lastwagenfahrer zieht aber erst dann herein, als er mit seinem
Anhänger wohl eine der Markierungsbaken umgefegt hat.
Das nenne ich "Rücksicht"!
Schattenring, Stuttgart
Kreisverkehr
Ich hänge mit den erlaubten 50 km/h oder ein bißchen
schneller in der Kurve.
Beim Blick nach vorne erkenne ich einen PKW, der mir im
Rückwärtsgang entgegenkommt: Er hat seine Abfahrt
verpaßt und wollte keine weitere Runde mehr drehen.
Feldberg #1
Ein Kommilitone (BMW-Fahrer) äußert sich äußerst
beglückt darüber, daß ich einen Organspender-Aufkleber
auf dem topcase trage. Das sei konsequent.
Ich hoffe, daß unsere Gewebeproben im Not- und Bedarfsfall
unverträglich sind.
Feldberg #2
auf dem Weg zum Feldberg (Uni-Seminar)
merkwürdige Fahrbahnkonstellation: links eine
Schnell- oder Landstraße, in der Mitte eine
Beschleunigungsspur, und rechts ein Parkplatz
werde von einer Frau, die von links her kommend über meine
Beschleunigungsspur hinweg nach rechts kreuzt und dabei
verzögert, aus meiner starken Beschleunigung heraus
äußerst böse zu einer Notbremsung gezwungen
Ich bedanke mich beim ABS; der nachfolgende Kumpel hat Mühe,
nicht auf mich aufzufahren.
Vaihingen, Ortseinfahrt
zweispurige Straße von Stuttgart-Heslach nach
Stuttgart-Vaihingen
Ich werde von einem Mercedes-Transporter auf der linken Spur mit
überhöhter Geschwindigkeit
überholt. Als unmittelbar darauf
dessen vorausfahrendes Fahrzeug rechtwinkling nach
links abbiegt und hierzu stark abbremst,
entscheidet sich der Transporterfahrer, mir den schwarzen Peter
zuzuschieben
und zieht hart bremsend nach rechts
zurück. Das kommt so unerwartet für mich, daß ich (zum
Glück) das
Bremsen vergesse und zwischen Metallwand und Fahrbahnrand grade noch
durchzische.
Vaihingen, Campus
Verkehrsinsel, rechts davon eine Links- und eine
Rechtsabbiegerspur
Vor mir blinkt eine Frau nach rechts und ordnet sich rechts ein. Als
ich gerade dabei bin, sie links zu passieren und links abzubiegen,
macht sie eine 180 Grad-Wende um mich herum. Ich bin bei der
regennassen Fahrbahn froh
über mein ABS. (Zeugen: Sozius und nachfolgendes Motorrad)
Kempten
irgendwo bei Kempten, spät in der Nacht
Mit Sozia nähern wir uns einer Verkehrsinsel; rechts davon eine
Links- und eine Rechtsabbiegerspur.
Ich biege rechts ab, weil's da zur Autobahn geht.
Wäre ich links abgebogen, wären wir frontal auf ein
entgegenkommendes Auto geprallt, das die falsche Seite der
Verkehrsinsel erwischt hat.
Vaihingen, Ortsmitte #1
Stuttgart-Vaihingen
die vorfahrtsberechtigte Straße schlängelt sich in einer
S-Kurve
in der Mitte des S: eine Kreuzung mit Vorfahrts- und Stopschildern
Ein schleichend kreuzendes Fahrzeug nimmt mir die Vorfahrt, was ich
erst sehr spät erkenne. Ausweichen
geht nicht. Ich sehe nur noch Metall und glaube fest an einen
Aufprall. "Das war's dann."
Die Vollbremsung
endet wenige Zentimeter vor der
Bordsteinkante und einem dahinterliegenden Holzzaun; Einlenken
wäre wegen der tief eingesunkenen Vorderradfederung
nicht mehr möglich
gewesen.
Zitternd stehe ich da und werfe einen Blick Richtung
Autofahrer. Warnblinkanlage einschalten, langsam vom fünften in
den ersten Gang runterschalten, Adrenalin abbauen.
A8 kurz vor Stuttgart #1
Autobahn, tagsüber
Ich habe mindestens einen neuen Reifen aufziehen lassen, alle drei
Bremsbelag-Sätze neu eingesetzt
und Zuladung.
Vor mir leuchten die Bremslichter auf. Irgendwie ahne ich, daß
Bremsen hier falsch wäre — selbst wenn ich es schaffen
würde, würde ich nur als Prellbock für die Nachfolgenden
dumm im Weg rumstehen.
Ich kippe die Maschine intuitiv auf die
rechte Spur ab und rase durch einen Nebel von abradierten Reifen; ich
rieche verbrannten Gummi; zwei
Autos sind nach rechts auf die Standspur rausgerutscht.
A8 kurz vor Stuttgart #2
Autobahn, nachts
befinde mich mit minimaler Zuladung im Landeanflug aufs
Autobahnkreuz Stuttgart:
Gas am Anschlag, nahezu maximale Drehzahl — irgendwo zwischen 160
und 200 km/h — keine formale Geschwindigkeitsbegrenzung
bin auf der linken von drei Spuren, Linksblinker vorsichtshalber
gesetzt
freie Sicht nach vorne
Aus einer Beschleunigungsspur kommen mehrere Autos. Eins davon wechselt sofort
über alle Spuren hinweg ganz nach links. Ich kann nicht mehr
ausweichen — links Leitplanke, rechts reihenweise kriechende Autos
— und ahne einen
katastrophalen Aufprall ... geschätztes delta-v zwischen 50 und
90 km/h. Adrenalin.
Ich halte mich fest und bremse wie doof,
und der Autofahrer erkennt seinen Fehler und
zieht "impact minus one" zurück.
Feuersee, Stuttgart
Fahre als erster in der Reihe bei grüner Ampel los und will die
Kreuzung überqueren.
Plötzlich höre ich quietschende Reifen von rechts und bremse
unbewußt auf dem Hinterrad.
Ein Auto schliddert in einem 90 Grad-Bogen um mich herum. Eine
halbe Sekunde Differenz, und es hätte mir eine volle Breitseite
verpaßt.
Saint Tropez
irgendwo bei St. Tropez
Ich will nachts auf einer engen Straße mit einem völlig
zugeladenen Motorrad (jenseits der 300 kg)
einen alten Daimler überholen.
Weil der Tankrucksack zu hoch gebaut ist, kann ich die Ganganzeige
nicht einsehen. Ich komme versehentlich in den ersten statt in den
zweiten Gang. Auf Höhe der Fahrertüre lege ich zweimal einen
gewaltigen wheelie hin, bevor ich das bemerke.
Genua
auf dem Weg nach Genua
auf der Höhe von Monaco:
Ein Kamikaze-Auto kommt aus einer äußerst uneinsichtigen
(und tiefergelegenen)
Grundstücksausfahrt gefahren. Ich bremse intuitiv exakt in den
letzten Millimeter hinter der Stoßstange.
eine Stunde später:
Ich komme zügig aus einer Linkskurve und richte gerade die
Maschine wieder auf,
als ich bemerken muß,
daß sich mir zwei Autos (nebeneinander!)
frontal nähern. Ein Blick nach
rechts fällt tief hinab aufs Mittelmeer — Steilküste,
links ansteigende Böschung und Gebüsch.
Ich ziehe die Maschine an den äußersten rechten
Fahrbahnrand, wo meistens die Kieselsteinchen liegen und der in Italien
öfters ausgefranst-abgebröckelt ist, und bremse.
Corsica
Corsica
Im nachmittäglichen Verkehr will ich einen Langholztransporter
überholen, den sich ansonsten keiner zu überholen
getraut — eins von wohl über hundert Fahrzeugen, die ich auf dieser
Insel plattgemacht habe.
Ich unterschätze meine Zuladung und schalte zu wenig weit
herunter. Auf halber Strecke bemerke ich, daß ich Gegenverkehr
habe; weder bremsen noch Gasgeben scheinen angebracht zu sein.
Der Entgegenkommende bremst ab und zieht nach außen.
Lac de Madine
beim Lac de Madine, Frankreich
Umleitung über Feldwege
Vor mir schleichen mehrere Autos mit zehn bis 15 km/h.
Ich kann die Maschine mit ihren 250 kg
bei der Geschwindigkeit und dem Untergrund kaum
halten.
Mit wildem Hupen scheuche ich sie beiseite und drehe Faktor zwei,
drei, vier auf.
Vaihingen, Ortsmitte #2
Stuttgart-Vaihingen
bin auf dem Weg zur mündlichen Theorieprüfung in
Informatik (erster Anlauf) und ziemlich nervös
will eine Autoschlange vor einer Ampel links auf einer
gedacht-freien Spur
passieren, um mich ganz nach vorne zu setzen
Ich beschleunige.
Plötzlich wird mir klar, daß da eigentlich auch
Autos
stehen — weniger, aber immerhin. Das vorabendliche "Bier zur guten
Nacht"
schränkt meine Feinmechanik zu sehr ein: Ich überbremse; das
ABS spricht an; mir wird klar, daß der Bremsweg nicht reichen
wird.
Wie ein Känguruh hüpfe ich mit der Maschine
zentimetergenau und etwa zwei Meter tief in die
Fluchtlücke zwischen den beiden Autoschlangen.
Donautal
irgendwo im Donautal oder sonstwo
Erntezeit
kleine kurvenreiche Sträßchen, erhöhte Geschwindigkeit
Im vorletzten Augenblick erkenne ich einen Mähdrescher, der mir
entgegenkommt und beide Fahrspuren in beinahe vollster Breite
beansprucht — ohne
vorausfahrendes warnendes Fahrzeug. Ich halte erstmal erstaunt an.
Bonifacio
Bonifacio, Corsica
In mittäglicher Hitzeglut schwitzen die Touristen die
langgezogene Treppe zur Zitadelle und Altstadt auf dem Felsen
hinauf, der 60 m über dem Meer ruht.
Ich sehe einen Endurofahrer, der sich den Weg durchs Gewimmel bahnt.
Genaugenommen sehe ich kein Verkehrsschild — man könnte
das ja auch für eine Straße halten (in der Tat —
Reiseführer: "Treppenstraße") ... also hopple ich
vorsichtig hinterher: eine Richtung hoch, um die Kurve, den restlichen
Weg hoch, über die brüchig aussehende Holzbrücke und
durch den Wachturm. Dann hat mich die eigentliche Straße
wieder. Ich freue mich. Das macht doch nicht jeder!
Plötzlich höre ich es hinter mir boxern. Ein Porsche mit
ähnlich geringer Bodenfreiheit hat den selben Weg genommen; er
rangiert zwei Minuten lang hin und her, dann hat auch er sich aus dem
Wachturm befreit und steht neben mir.
Stuttgart #1
Ich hänge in einer zuziehend gekrümmten Kurve vor
einer Unterführung, massive Steinwand voraus.
Ein Daimler nimmt mir, aus einer Einmündung kommend, die
Vorfahrt.
Ich starte eine Huporgie und setze mich vor ihn, aber der Fahrer
läßt sich nicht beim Telefonieren stören.
Stuttgart #2
vor dem Hauptbahnhof
Ich will vom Arnulf-Klett-Platz aus in den Verkehr einfädeln.
Verbotenerweise mache ich das ohne die Einfädelspur, und zwar
durch Start aus dem Stand und Überkreuzung einer Busspur;
Warnblinkanlage ist eingeschaltet, weil ich das als ein bißchen
riskant ansehe, wenngleich die ganze Aktion nur zwei bis
drei Sekunden dauern wird — zeitkritisch!
Ich sehe die Fahrbahnen ein; ein Auto lasse ich passieren, dann ist
nur noch in großer Entfernung ein LKW zu sehen. Ich starte: Gas,
Kupplung, über die Busspur drüber und auf die eigentliche
Fahrbahn
Ein Schlag trifft mich von links;
mein linker Fuß wird nach hinten
gerissen; die Maschine wird nach rechts zurückgekickt. Verwundert
halte ich an; auch ein Auto hält hinter mir:
Die Fahrerin hat im selben Moment die Fahrspur gewechselt, als ich
losgefahren bin — im Grunde bin ich schuld; ich hätte hier
nicht einfahren dürfen. Sie hat mich an der linken
Soziusfußraste erwischt und diese nach vorne gebogen; mein
linker Fuß war davor kurze Zeit in ihrem Radkasten! — Die
Fußraste läßt sich leicht zurückbiegen; der Dame ist
der kleine Lackschaden am Radkasten egal.
"Ich bin froh, Sie nicht auf dem Gewissen zu haben."
Stuttgart #3
Stuttgart, Nähe Hauptbahnhof
An einer Ampel stehend bemerke ich, daß mein Nachbar in der
anderen Reihe seine Türe nicht ganz geschlossen hat. ... Ich
klopfe an.
Er erschrickt höllisch und will mir sofort den Weg zum Flughafen
erklären ...
Frankreich
irgendwo in Frankreich (grob zwischen Perpignan und Valence),
Heimweg
hunderte von Kilometern pure Bilderkennung auf fabelhaften
Nationalstraßen bei leicht überhöhter Geschwindigkeit
Wir überholen vollbeladen (50 l-Rucksack auf 110 l-Packsack
auf 35 l-topcase auf Gepäckbrücke —
ach Du heiliger Schwerpunkt!)
und rasant einen ebenso vollbesetzen PKW.
Im Passieren fällt mir auf,
daß die linke hintere Türe nicht ganz geschlossen ist.
Im Grunde ist es egal; ich versuche
es trotzdem mit Handzeichen, was aber nichts bringt.
Plötzlich
fährt das Auto auf einen steinigen Parkplatz nach rechts raus.
Ich steige in die Bremsen, fahre auch rechts raus und wende.
Der Fahrer pinkelt
ein paar Meter entfernt ins Gebüsch; als er zurückkommt,
versuche ich es mit "Your rear door is not completely closed.";
meine Begleitung spricht wie alle Franzosen auch kaum Englisch,
kapiert aber schneller und steuert ein äquivalentes
"... n'est pas fermée" bei.
Alle sind erstaunt ...
Vaihingen, Campus #2
Vor mir kriecht eine Dame im Auto übers Unigelände.
Kurz vor der Abzweigung Richtung Allmandring scheint sie anhalten zu
wollen. Ich schaue über die Schulter, setze den Blinker,
beschleunige und überhole.
Als ich parallel zu ihr bin, biegt sie links ab. Irgendwie schaffe ich
es, das selbe zu tun.
Vaihingen, Stadtmitte #3
Stuttgart-Vaihingen
irgendein März, beginnender Tröpfelregen, um die
Null Grad
Beim Verlassen des HL-Marktes beim Bahnhof stelle ich fest, daß
ein zuliefernder LKW mit Anhänger wegen eines falsch geparkten
Daimlers feststeckt und meine Maschine, die direkt vor dem Eingang
abgestellt ist, völlig einkastelt. Der LKW-Fahrer will wegen des
Beschädigungsrisikos am Daimler nicht mehr zurücksetzen und
läßt ihn stattdessen lieber ausrufen. Das dauert.
Ich warte fünf Minuten, dann schiebe ich
die Maschine durch den HL-Haupteingang, am
Zeitschriftenstand vorbei, passiere eine protestierende Hausfrau
mit ihrem Einkaufswagen ("Hier dürfen Sie aber nicht mit dem
Motorrad herein!"), biege links ab, an der Bäckerei vorbei und
komme hinten am Foyer des Bürokomplexes wieder auf die
Industriestraße.
Südfrankreich
irgendwo in Südfrankreich
An einer Tankstelle wundert sich ein besorgter Autofahrer,
daß mein Kumpel
und ich unsere Maschinen mit sans plomb (bleifreiem Benzin)
vollmachen. Ich bin der Sprache nicht ganz mächtig und versuche
es mit der Wortschöpfung "catalysateur", aber er versteht nicht.
Rimini
Campingplatz in Rimini, Italien
Ich vermute, daß meine Bremsbeläge einseitig
heruntergefahren sind. Von einem Nachbarn leihe ich mir mit
irgendwelchen Klopf-Gesten (non parlo italiano) einen Hammer,
um die Bolzen, an denen die Beläge hängen, herauszukriegen.
Der Mann ist freundlich und will helfen; als er aber erkennt,
daß ich keine neuen Beläge einsetzen will, sondern nur die
seitenmäßige Ausrichtung der alten vertausche, ist er
völlig entsetzt. Damit will er nichts zu tun haben. Er läuft
weg.
zwei Monate später:
Campingplatz in Perpignan, Frankreich/Spanien
Zwischenzeitlich mußte ich die heruntergefahrenen Beläge
komplett durch neue ersetzen, mit denen ich u. a. die Talfahrt
vom Stilfser Joch (über 2 700 m) und diverse andere
2 000 m-Pässe gebremst habe. ... Ich
überprüfe die Belagstärke: Diesmal sind sie
gleichmäßig abgenutzt.
Stuttgart #4
nachts nach einem Kneipenbesuch
Ich fahre alkoholisiert über eine Ampel, von der ich nur halb
glaube, daß sie grün gewesen sein könnte — als ich
geschaut habe, bin ich grade über eine Bodenwelle gefahren, und
das hat so unangenehm gewackelt. Ich bin zu faul für den
zweiten Blick.
Offensichtlich war sie für mich rot: Ein gerade losfahrendes,
kreuzendes Auto hupt mich an.
Vaihingen, Ortsmitte #4
kurz vor dem Rathaus
Ein Auto kommt von rechts aus dem Parkhaus und will mir entgegenkommend in die
Straße einbiegen.
Die Vorfahrt liegt formal bei mir, aber an der Stelle wurde ich
schon öfters ignoriert.
Ich bremse wie ein Idiot ... es reicht nicht ... und weiche sogar noch
nach links aus ... es reicht nur, weil die Dame — mittlerweile
quer über die Straße stehend — doch noch in die Eisen
gestiegen ist. Vor ihrem Kühlergrill stehend versuche ich, wieder runter
in den ersten Gang zu kommen. Eigentlich sollte ich ihr zuerst die
Türe eintreten.
Stuttgart #5
Marienplatz, Stuttgart
kurz nach dem Heslacher Tunnel, Fahrtrichtung Hauptbahnhof
Nacht, leichter Regen, regennasse Fahrbahn, geschlossenes, nasses
Helmvisier, Regenkombi
Ich bin ausgeschlafen und frei von Alkohol.
Die Straße biegt sich zweispurig leicht nach rechts; danach
kommt eine Ampelanlage.
Der Verkehr auf meiner rechten Spur verzögert sich; deshalb will
ich die Fahrspur nach links (da sieht's besser aus) wechseln:
Ich schaue zurück — frei —, setze den Blinker
und ziehe raus. Es kracht, und ich weiß als nächstes nur noch,
wie ich neben der am Boden liegenden Maschine stehe.
Ich schalte erstmal die Warnblinkanlage an, verscheuche alle
hilfsbereiten Leute, löse die Seitenkoffer und den Tankrucksack
und richte dann die Maschine wieder auf, um sie auf den Gehweg zu
stellen.
Ich habe im Passieren mit meinem rechten Motorschutzbügel den vor
mir fahrenden 190er Mercedes gestreift; der Verkehr hat noch schneller
verzögert als angenommen — meine Schuld.
Mein rechter Blinker
baumelt wieder mal runter, aber der ist mit einem
Kreuzschlitzschraubenzieher gleich wieder fixiert. Mit meiner kleinen
bis 150 m wasserdichten
UKE-Taschenlampe schauen wir den Mercedes an: Stoßfänger
hinten links aufgeschrubbelt; später stellt sich heraus,
daß auch die Rückleuchte beschädigt ist; inklusive
Arbeitsaufwand wird sich die Rechnung auf 542 DM belaufen, den
meine Versicherung (bin zwischenzeitlich bei etwa 45 Prozent)
übernimmt (Prämienverteuerung dadurch um 75 DM).
Mein Schaden
beläuft sich auf kaum sichtbare Kratz-/Abriebspuren vorne
rechts am Lack (ließe sich als Einzelteil wohl leicht
nachlackieren, sieht aber eh' aus wie Schmutzflecken) und ein kaputtes
Blinkerbirnchen, das ich in meiner Lampensammlung auf Vorrat dabei habe. Der
Motorschutzbügel ist nicht aus der Verankerung gerissen
worden. Die Vorderradgabel hat offenbar nichts abgekriegt — das
hätte ansonsten vielleicht ein Totalschaden sein können.
Meine Regenkombi ist nicht eingerissen; ich bin auch unversehrt —
noch nichtmal ein blauer Fleck, kein Kratzer, nichts.
Vaihingen, Ortsmitte #5
kurz nach dem Rathaus
zwei Spuren: eine Linksabbiegerspur mit einem Kastenwagen, ich
parallel dazu auf der Geradeaus-/Rechtsabbiegerspur
Der Kastenwagen fährt überraschenderweise stur geradeaus in
die Fahrbahnverengung.
Für mich ist da kein Platz mehr; bevor ich zwischen Metallwand
und Bordsteinkante abkippen würde, lege ich eine Vollbremsung hin.
An der nächsten Ampel unterdrücke ich meine Aggressionen und
klopfe mit verbissenem Gesicht an; ich konnte mich nicht zwischen Türe
eintreten oder Spiegel abschlagen entscheiden. Als die Fahrerin
völlig ahnungslos die Scheibe runterkurbelt, erzähle ich ihr
von meinem Antiblockiersystem; ich schreie sie noch nichtmal an. Sie schaut
trotzdem entsetzt.
Stuttgart-Heslach
nachts, nach 22 Uhr
Vor dem Heslacher Tunnel (Richtung Stuttgart) befindet sich eine Baustelle; die
Fahrbahnführung ist leicht geändert: statt Fahrbahnverengung
nach rechts nunmehr nach links über eine ehemalige
Sperrfläche hinweg; rechts sind Barrikaden aus Beton aufgebaut.
Gerhard läßt es sich nicht nehmen, ein bißchen
offroad zu fahren; ich versuche derweil, meine 250 kg auf dem
schottrigen Untergrund irgendwie zu wenden.
Gerhard steht schon wieder vorne neben der Straße, während
ich vorsichtig hinterherhoppeln will. Ich höre ein
verdächtiges Krachen und befürchte einen Unfall beim
Einfahren, aber Gerhard steht noch immer da.
Ein Autofahrer hatte keine Peilung und ist einige wenige Meter von
Gerhard entfernt streifend an die Barrikaden gefahren; dabei hat er eine
rot-weiße Kunststoff-Markierungsbake samt deren leuchtender
Markierungslampe zerfetzt; die Teile liegen verstreut auf der
Straße.
Ohne anzuhalten fährt er/sie weiter; er dürfte schwerlich
erkannt haben, was/wen er eventuell umgefahren hätte; daß
da aber Leute waren, konnte er an unseren Scheinwerfern erkennen.